Meuterei – wie weiter?

Die ersten fünf Jahre der Meuterei, die ja nicht nur die Pfütze wollte sondern alle sieben Weltmeere, sind mit Höhen und Tiefen vergangen. Viele Gäste haben uns in letzter Zeit gefragt, ob wir noch weiter existieren oder demnächst schließen. Mit diesem Text wollen wir Euch ein bisschen informieren und zur weiteren Diskussion einladen.

Das Haus, in dem die Meuterei sich befindet, Reichenberger Str. 58, wurde im August/September 2011 für ca. 1,2 bzw. 1,3 Millionen Euro durch Zelos Properties GmbH gekauft.

Wir haben damals versucht uns mit allen Mieter_innen, die vorher im Haus wohnten zu solidarisieren und zu organisieren. Einige Mieter_innen waren anfangs noch gewillt im Haus zu bleiben, doch schlussendlich sind alle gegen Zahlung unterschiedlicher Geldsummen ausgezogen.

Es wurde seitens des neuen Eigentümers saniert insgesamt auf dem ersten Schein professionell aber billig. Im Zuge der Strangsanierungen von Frisch- und Abwasserrohren haben wir im Keller sogar neue Toiletten sowie eine Schmutzwasser-Hebepumpen Anlage eingebaut bekommen die dabei hilft, die früher regelmässig stattfindenden Überschwemmungen bei uns im Keller zu verhindern. Alles im allem verlief die Bauphase recht okay.

Anfang November 2011 haben wir uns mit dem Geschäfstführer der Zelos Properties GmbH und dem Geschäftsführer der Vivum GmbH getroffen. Beide signalisierten uns im Gespräch, dass sie glücklich sind, dass es uns und diesen Mietvertrag gibt, denn Kneipen wie unsere seien ja ein Grund dafür, warum zukünftige Eigentumswohungskäufer_innen nach Kreuzberg ziehen. So wurden denn auch die Wohnungen als x-Berg pur auf den Webseiten der Ziegert Immobilien GmbH angepriesen. Man sicherte uns zu, dass der Mietvertrag auch von ihrer Seite eingehalten wird. In den aufgehübschten Photoshop Bilder allerdings war/ist von der Kneipe in der luxussanierten Reichenberger Str. 58 nichts zu sehen.

Der Eigentümer, der übrigens auch das Gebäude in der Torstrasse/Ecke Christinenstrasse, in dem die BAIZ sich befand, kaufte, hat der BAIZ eine Verlängerung des Mietvertrages verweigert. Nun reicht es dem Eigentümer nicht aus alle Wohnungen in der Haus Reichenberger Str. 58 in Eigentumswohnungen umgewandelt und teuer verkauft zu haben, nein auch die Gaststättenräume wurden im Laufe des Jahres 2013 zum Kauf angeboten. Damals noch für über 400.000 Euro, im Irrglauben das die Kneipe Meuterei dann wohl weg sei. Dies wurde scheinbar auch Neubesitzer_innen beim Kauf der Eigentumswohnungen so gesagt, denn uns wurde mitgeteilt das sie davon ausgingen das die Kneipe bei Ihrem Einzug weg sei.

Unser Mietvertrag den wir im April 2009 abschlossen ist ein 5 + 5 Jahre Mietvertrag der zunächst Ende Mai 2014 auslief. Nachdem wir rechtzeitig die Option auf weitere 5 Jahre wahr genommen hatten verlängerte sich der Mietvertrag bis Ende Mai 2019. Als wir Ende Oktober 2013 die Option auf die Nutzung der Räume für weitere fünf Jahre über ein Schreiben unserer Rechtsanwältin dem neuen Eigentümer mitteilten, flatterte uns kurz darauf eine fristlose Kündigung unseres Mietvertrag ins Haus, deren weitere Kündigungen folgten, wegen angeblicher Lärmbeschwerden von den nun neuen Bewohner_innen.

Mit den neuen Mieter_innen bzw. Eigentümer_innen gab es zu Begin ihres Einzuges zwar Verwunderung auf deren Seite das die Kneipe noch da ist, es gab auch persönliche mit uns besprochene Beschwerden über Lärm, aber durch Umbaumassnahmen unsererseits und persönlichere Gespräche mit den neuen Nachbar_innen konnten wir den Lärm der bis in die Wohnungen über uns drang minimieren. Mittlerweile kommen wir unserer Meinung nach im Haus besser miteinander klar.

Wir sind gegen diese fristlosen Kündigungen vor Gericht gezogen. Seitens des Landgerichts wurden diese nun für Rechtsungültig erklärt.

Jetzt wollen wir darüber reden wie es mit der Meuterei weitergeht. Das Gerichstsverfahren hat uns ein wenig in unserer Arbeit demotiviert. Es herrschte Untergangsstimmung und unser Piratenschiff dümpelte eher vor sich hin. Nun sind wir soweit zu überlegen was uns die nächsten 5 Jahren bringen sollen. Auch vor dem Hintergrund das direkt nachdem für uns erfolgreich verlaufenden Gerichtstermin die Räume wieder zum Verkauf im Internet Angeboten werden.

Diesmal als Investitionsobjekt mit noch gültigem Mietvertrag. Immerhin eine kleine Beruhigungspille. Aber wir wissen auch das ein gewonner Prozess uns nicht vor mietrechtlicher Repression schützt. Ein Kauf seitens eines Investors/Investorin kann langfristig das aus der Meuterei bedeuten.

Dem möglichen Stress mit Eigentümer_innen, egal ob alt oder neu, wollen wir nun etwas entgegen setzen. Wir wollen den Laden etwa mittels des Mietshäuser Syndikats zum Szene-“Eigentum“ machen bzw. das Eigentum verkollektivieren, so dass wir uns wieder neumotiviert um unsere Lohnarbeit und um politische Arbeit kümmern können, die ja, einige erinnern sich, aus mehr bestand als Bier und Haymatlos-Schnäpse zu verkaufen.

Wir wollen nun gemeinsam mit Euch in Diskussion treten um das Projekt Meuterei wieder mehr Leben einzuhauchen. Wir müssen intern notwendige Veränderungen vornehmen. Gemeinsam mit allen interessierten wollen wir überlegen wie man die Räume mit mehr Programm füllen kann und schlussendlich in Diskussion mit Euch über die Entscheidung „Kaufen – Ja oder Nein?“ mehr Rückhalt gewinnen.

Wir fragen uns als Meuterei: Was soll dieses Kneipenprojekt genau in diesem Kiez, was tun wir hier was wir nicht auch anderswo machen können? Warum ist es wichtig langfristiger hier zu sein und nicht in Lichtenberg, Wedding oder gar in Spandau?

Wir laden Euch ein diese und andere Fragen mit uns zu besprechen: am Tresen, in einer öffentlichen Veranstaltung am 24.Oktober 2014 um 19:00 oder in der Interim und im Internet.

Eure Meuterei Kollektivistas.



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